Modelling

Vergleicht man das Erlernen von UK mit dem Lernen einer Fremdsprache, werden uns einige Faktoren klar, an die wir uns als Umfeld halten müssen.

Überlegen Sie mal – wie lernen wir sprechende Menschen eine andere Sprache?

Entweder in einem Unterrichtssetting (z.B. Englisch in der Schule) oder durch das Leben in dem Umfeld, das die Sprache als Erstsprache spricht (z.B. eine deutsche Frau lebt und arbeitet in Frankreich), also eine Umgebung voller Vorbilder (Modelle).

Lernende der ersten Methode nutzen die Fremdsprache selten in ihrer Freizeit, Lernende der zweiten Methode hingegen nutzen die zu erworbene Sprache bereits von Anfang an im Alltag. Studien und Erfahrungen nach ist der zweite Weg der effektivere, die erfolgreichste Methode ist eine Kombination der beiden.

Wendet man das Konzept nun auf das Erlernen von UK an, müssten unterstützt Kommunizierende in einen Kontext, in dem die Zielsprache gesprochen wird. Daher müssen wir als Umfeld, den unterstützt kommunizierenden Personen eine Umgebung schaffen, in der UK gesprochen wird. Die gesprochene Sprache ist für uns selbstverständlich, wir modeln die gesprochene Sprache beim Sprechen, ohne darüber nachzudenken. Die Schwierigkeit ist, dass UK auch für uns eine Fremdsprache bedeutet, daher muss unser Vorgehen bewusst verändert werden.

Wie kann das Umfeld unterstützt Kommunizierende nun darin unterstützen, sich möglichst erfolgreich mit der alternativen Kommunikationsform mitzuteilen, an alltäglichen Situationen teilzuhaben und dabei die kommunikativen Fähigkeiten weiter auszubauen?

Mit Modelling!

Was ist Modelling?

Modelling heißt Vorbild sein. Vorbild sein für einen Menschen, der eine andere Sprache nutzt als die gesprochene. Das Vorbild oder das Model nutzt also genau die Sprache, die die unterstützt kommunizierende Person verwendet, und zwar folgenermaßen:

  • ohne direkte Aufforderung hinzuschauen oder aktiv mitzumachen
  • ohne „konstruieren“ einer fiktiven Situation, eher beiläufig im Kontext
  • immer und überall und
  • unabhängig von bereits vorhandenen Fähigkeiten

Dabei lassen sich zwei verschiedene Modelling-Rollen unterscheiden, welche aber unbedingt beide gleichwertig und gleichzeitig eingesetzt werden sollen!

  • Dolmetschen: das Verhalten der unterstützt kommunizierenden Person wird übersetzt, z.B. „ich sehe, du legst den Kopf ab, Du bist wohl MÜDE“
  • Vormachen: eigene Gedanken, Bedürfnisse und Äußerungen werden mit der alternativen Kommunikationsform mitgeteilt, z.B. „ich habe heute schlecht geschlafen, ich bin MÜDE“

In beiden Fällen modelliert das Kommunikationsvorbild das Wort „müde“

So ermöglichen wir den unterstützt Kommunizierenden, die neue Sprache zunächst zu erleben und sie aufzusaugen, bevor sie selber aktiv werden. Es ist eine Hilfestellung beim (Neu-)Erwerb der Art zu kommunizieren.

Das Modelling fällt nicht für alle NutzerInnen gleich aus. Es ist abhängig von der benutzten Strategie und den Fähigkeiten der Person. Erwirbt die Person Fähigkeiten im Umgang mit Ihrem Kommunikationsmedium gilt es die Hilfestellung abzubauen bzw. anzupassen. Manche NutzerInnen kommen auch ganz ohne Modelling mit ihrem Kommunikationsmedium zurecht bzw. kennen sich besser aus als das Umfeld :-)

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